Entfernung der Gebärmutter ein Gesundheitsrisiko?

Quelle des Artikels: http://news.doccheck.com

Die Entfernung der Gebärmutter könnte ein Gesundheitsrisiko darstellen, vermuten Forscher. Obwohl jede fünfte Hysterektomie als überflüssig gilt, halten Ärzte an dieser Methode fest. Doch das könnte sich bald ändern.

Foto von bruce mars von Pexels

Der Uterus scheint mehr als nur ein Organ zur Fortpflanzung zu sein. Experimente an Mäusen und Kohortenstudien deuten darauf hin, dass die Hysterektomien mit einer verringerten Gedächtnisleistung sowie Demenz zusammenhängen. Auch im nicht schwangeren Zustand würde ein Uterus daher „nicht schlafen“, so das Fazit einer Studie. Eingriffe seien kritisch zu überdenken. Wird der radikale Eingriff hierzulande zu häufig gewählt?

Hysterektomie nur nach strenger Indikationsstellung

Dazu ein Fall aus der Praxis: Schon länger quälte sich die Amerikanerin Kim F. (46) mit unerklärlichen Schmerzen während der Periode. Ihr Arzt entdeckte schließlich mehrere Uterusmyome und empfahl eine Hysterektomie, nachdem Pharmakotherapien gescheitert waren. F. lehnte diesen Vorschlag ab, erhielt bei anderen Medizinern aber nur ähnliche Vorschläge. Im Atlanta Fibroid Center fand sie schließlich einen Gynäkologen, der ihre Myome per Embolisation behandelte.

„Hauptindikationen für Hysterektomien sind Blutungsstörungen und Schmerzen und Myome“, bestätigt Prof. Dr. Barbara Schmalfeldt gegenüber DocCheck. Sie ist Direktorin der Klinik und Poliklinik für Gynäkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Die Expertin relativiert: „Bei einer Dysmenorrhoe therapieren wir aber zuerst mit hormonellen Maßnahmen, sprich mit kombiniert östrogen- und gestagenhaltigen Kontrazeptiva oder gestagenfreisetzenden Spiralen.“ Häufig seien Schmerzen so in den Griff zu bekommen. Leiden Patientinnen an Myomen, seien auch organerhaltende Myomenukleation möglich. „Ich denke, eine Hysterektomie sollte nur bei strenger Indikationsstellung durchgeführt werden sollte“, so Schmalfeldt weiter. Häufig könne man Beschwerden mit konservativen Therapien gut in den Griff bekommen. „Ich vermute, dass an manchen Stellen die Indikationen zu großzügig gestellt werden.“ Dies sei vor allem aus den USA, teilweise aber auch für Deutschland bekannt.

Mindestens jede fünfte Entfernung ist überflüssig

Bei uns gehören Entfernungen der Gebärmutter zu den häufigsten gynäkologischen Eingriffen. Die Zahl an Eingriffen ist allerdings inzwischen von 119.360 (2010) auf mittlerweile 77.561 (2017) gesunken, berichtet das Statistische Bundesamt auf Nachfrage von DocCheck. Die Daten basieren auf dem OPS-Code 5-683(Uterusexstirpation, Hysterektomie). Laut Fraueninformationsdienst Deutschland hat jede siebte Frau zwischen 18 und 79 Jahren keine Gebärmutter mehr. Vor einigen Jahren war es noch jede sechste.

Doch Grund zur Freude sind die sinkenden Zahlen nicht. Der Fraueninformationsdienst Deutschland kritisiert, bei rund 90 Prozent aller gutartigen Erkrankungen der Gebärmutter würden Hysterektomien durchgeführt. Eine ältere Veröffentlichung nennt als überwiegende Gründe gutartige Erkrankungen, nämlich Uterusmyome (40 Prozent), Endometriosen (17 Prozent), oder einen Prolaps uteri (14,5 Prozent). Mit 9,0 Prozent sind maligne Erkrankung eher die Ausnahme als die Regel für Hysterektomien. Eine neue Studie, von der es momentan nur den Kongress-Abstract gibt, sieht Uterusmyome (48 Prozent) als wichtigste Indikation. Daten aus den USA lassen sogar vermuten, dass jeder fünfte Eingriff medizinisch nicht unbedingt erforderlich ist. Den Autoren zufolge würden Ärzte Alternativen zu selten nutzen.

Dr. Gerardo Bustillo vom Memorial Care Orange Coast Medical Center im kalifornischen Fountain Valley kommt zu ähnlichen Einschätzungen: „In der Vergangenheit wurden zu viele Hysterektomien aufgrund von Myomen durchgeführt“, sagt der Gynäkologe. „Es ist wichtig zu wissen, dass Myome extrem häufig sind und dass die Mehrheit aller Frauen keine Behandlung braucht.“ Außerdem verschwänden die Symptome bei vielen Patientinnen, sobald sie die Menopause erreichen. Das Malignitätsrisiko bewertet Bustillo als „gering“.

Nicht nur die Indikation entscheidet

Es geht aber nicht nur um zu viele Eingriffe. Laut „Faktencheck Gesundheit“ der Bertelsmann-Stiftung gibt es in Deutschland nicht medizinisch erklärbare regionale Besonderheiten. Versorgungsforscher arbeiteten mit einem kreisspezifischen Operationen-Index. Sie dividierten die tatsächliche OP-Zahl durch die Zahl an zu erwartenden Eingriffen (auf Basis demographischer Faktoren).

In Kreisen mit dem höchsten wurde dreimal mehr operiert als in Kreisen mit dem niedrigsten OP-Index. „Die noch immer bestehenden Variationen deuten darauf hin, dass die Indikationsstellung zur Hysterektomie offenbar nach wie vor in manchen Regionen großzügiger erfolgt als in anderen“, schreiben die Autoren. „Aussagen zur Höhe des „angemessenen“ Hysterektomie-Niveaus können nicht getroffen werden.

Versorgungsforschern am Robert Koch-Institut fiel wiederum auf, dass Frauen mit niedrigem Sozialstatus doppelt so häufig eine Hysterektomie erhielten wie Frauen mit hohem Sozialstatus. Bekanntlich liefern Kohorten keine Erklärungen. Die Autoren bringen aber zwei Hypothesen in das Gespräch: Vielleicht leben Frauen mit höheren Bildungsgrad gesünder oder hinterfragen ärztliche Therapieempfehlungen stärker.

Selbst ist die Frau

Mögliche Gründe der hohen OP-Zahlen lassen sich nicht aus der Welt schaffen. Dazu gehören einerseits die Fallpauschalen, denn Hysterektomien führen schnell zum Erfolg und spülen mehr als 3.000 Euro in die Kasse. Damit ist es aber nicht getan. Angehende Fachärzte für Gynäkologie haben insgesamt 300 operative Eingriffe nachzuweisen, darunter 100 vaginale und abdominelle Operationen. Verleitet der Druck so manche Klink dazu, Indikationen etwas großzügiger auszulegen?

Mit einer Zweitmeinung könnte der ein oder andere überflüssige Eingriff vielleicht vermieden werden. Zu dem Thema hat der Gemeinsame Bundesausschuss eine Richtlinie entwickelt und veröffentlicht. In Deutschland muss der Arzt vor einer Hysterektomie die Patientin nun darauf hinweisen, dass sie sich eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung einholen kann.

Artikel von Michael van den Heuvel
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Adenomyose (Adenomyosis uteri)

Bei einer Adenomyose handelt es sich um eine spezielle Form der Endometriose. Während sich bei dieser die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) im Bauch- und Beckenraum bzw. an den Eierstöcken festsetzt, befällt sie bei einer Adenomyose die Gebärmuttermuskulatur (Myometrium).

Die Erkrankung ist chronisch und häufig mit starken Schmerzen verbunden. In Deutschland sind ca. 2% der weiblichen Bevölkerung davon betroffen.

Obwohl sie häufig erst bei Frauen zwischen 40 und 60 Alter auftritt, leiden auch jüngere Frauen darunter. Die Adenomyose kann bei ihnen auch ein Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch sein.

Symptome
Diese sind von Frau zu Frau unterschiedlich. Dennoch sind häufige Symptome

Blutungsstörungen bis hin zu einer Menorrhagie und
Schmerzen, die typischerweise etwa eine Woche vor Beginn der Periode auftreten

Diagnose

  • Spiegelung der Gebärmutterhöhle (Hysteroskopie)
  • Transvaginalsonografie
  • Ultraschall
  • Kernspintomografie

Therapie

Die Therapie ist individuell und von Frau zu Frau unterschiedlich. Ausschlaggebend ist hierbei auch das Ziel der Therapie: Schmerzlinderung, Besserung der Blutungsstörung, Kinderwunsch.

Chirurgische Therapie für Frauen mit abgeschlossenem Kinderwunsch:

Chirurgische Maßnahmen mit bestehendem Kinderwunsch:

  • Gefäß-Embolisation

Hormonbehandlung mit

  • Gestagenen
  • oralen Kontrazeptiva
  • Antiöstrogene
  • GnRH-Agonisten

Kombination aus einer chirurgisch-hormonellen Behandlung

Weitere Infos und Arztadressen finden Sie unter www.endometriose-liga.eu

Hysterektomie: Eine der häufigsten Operationen bei Frauen

Eine Pressemeldung der Initiative „Rettet die Gebärmutter“

Die Gebärmutterentfernung war 2013 mit 150 000 Hysterektomien laut Robert Koch-Institut (RKI) die häufigste Operation bei Frauen in Deutschland. Heute gehört sie immer noch dazu. Dennoch hat sich die Situation gebessert: In den vergangenen Jahren ging die Zahl der Hysterektomien in Deutschland deutlich zurück: Waren es 2013 rund 150.000 Eingriffe pro Jahr, so sind es heute noch etwa 114.000.

Was hat sich seitdem verändert? Minimalinvasive und organerhaltende Therapien sind inzwischen bekannter geworden und werden häufiger eingesetzt. Mehr Ärzte beraten Frauen, die beispielsweise unter starken und langanhaltenden Blutungen oder unter Myomen leiden, umfassend über die modernen Behandlungsmöglichkeiten mit dem Fokus auf die Erhaltung der Gebärmutter.

Positiv gerechnet hat nun nur noch jede siebte statt jede sechste Frau zwischen 18 und 79 Jahren keine Gebärmutter mehr. Etwa die Hälfte der Gebärmutterentfernungen erfolgt bei Frauen zwischen 40 und 49 Jahren.

Ein Grund für den Rückgang der Hysterektomien liegt in der großen Palette an organerhaltenden modernen Therapieoptionen, die inzwischen häufiger auch von den Krankenkassen anerkannt werden und an der steigenden Zahl an Ärzten, die Gebärmutter erhaltend operieren wollen.

Hinzu kommt die verstärkte Diskussion des Themas unter Ärzten, aber auch unter betroffenen Frauen, die heutzutage viel eher eine Zweitmeinung einholen und häufiger hinterfragen, ob eine Gebärmutterentfernung wirklich notwendig ist. Sicher hat auch die rasante Entwicklung des Internets mit Blogs, Foren und thematisch passenden Webseiten zum Rückgang der operativen Eingriffe beigetragen.

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Allerdings: Wir könnten weiter sein.
Immer noch wird in rund 90 Prozent der gutartigen Erkrankungen die Gebärmutter entfernt. Auch die Hauptindikationen für eine Hysterektomie haben sich nicht geändert. Es sind:

  • starke Blutungen,
  • Störungen und Schmerzen bei der Menstruation,
  • Endometriose(gutartige, meist schmerzhafte Wucherungen von Gewebe der Gebärmutterschleimhaut),
  • große und rasch wachsende oder in großer Zahl auftretende Myome(gutartige Wucherungen der Gebärmuttermuskulatur) und
  • die Senkung des Uterus (Gebärmuttersenkung)

Für einige der Ursachen gibt es inzwischen mehrere Behandlungsoptionen, die den Gebärmuttererhalt ermöglichen. Baut sich beispielsweise während des Zyklus die Gebärmutterschleimhaut sehr stark auf und verursacht dadurch langanhaltende und starke Blutungen, so kann die Verödung der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumablation) den Blutverlust regulieren oder sogar stoppen.

Falls Myome die Verursacher der Blutungen sind, gibt es ebenfalls mehrere operative und radiologische Behandlungsmöglichkeiten. Hier sollte eine regelmäßige Kontrolle helfen, den Zeitpunkt, bis wann eine Entfernung der Myome noch möglich und sinnvoll ist, nicht zu verpassen.

Die Webseite der Initiative „Rettet die Gebärmutter“ bietet neben der Beschreibung der Therapien ein Forum für betroffene Frauen und ihre Angehörigen, Tipps und Anträge zur Kostenerstattung, Pressetexte, Ärzteadressen und Meinungen, Erfahrungsberichte von Frauen, Umfrage, Beratungstelefon und vieles mehr. Neu hinzugekommen sind Video-Interviews mit renommierten Ärzten zum Thema Myombehandlung, Patientinnenrechte und Endometriumablation.

Webseite: www.rettet-die-gebaermutter.de und natürlich auch auf Facebook: www.facebook.com/rettet.die.gebaermutter

Kontakt: Initiative „Rettet die Gebärmutter“
Ansprechpartnerin: Andrea Hartmann
Tel.: 06421 3048012
E-Mail: kontakt@rettet-die-gebaermutter.de

Bildmaterial und Infografiken finden Sie auf der Webseite.

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Wenn schon Gebärmutterentfernung, dann mit LASH

Die laparoskopische supracervikale Hysterektomie oder kurz LASH hat einige Vorteile im Vergleich zur Gebärmutterentfernung über einen Bauchschnitt.

Sie wird über eine Bauchspiegelung (laparoskopisch) gemacht, das heißt der Eingriff ist minimal-invasiv, es ist kein großer Schnitt in den Bauch notwendig. Dementsprechend kürzer ist dann auch die Liegezeit (ca. 3 Tage weniger), die Frauen erholen sich sehr viel schneller.

Ein weiterer Vorteil ist der Erhalt des Gebärmutterhalses und damit auch der bekleidenden Band-Strukturen. Dadurch wird das Risiko einer Beckenbodensenkung erheblich gesenkt. Außerdem ist der operative Aufwand und somit auch die Komplikationsrate geringer.

Die LASH  wird bei Frauen eingesetzt, die unter Schmerzen und Blutungsstörungen leiden, vor allem, wenn diese auf z. B. einen Uterus myomatosus zurückzuführen sind.

Eine Voraussetzung für die Methode ist das Fehlen bösartiger Veränderungen am Gebärmutterhals und am Gebärmutterkörper.

Weitere Infos: www.rettet-die-gebaermutter.de

Bi-Clamp-Verfahren

Diese Methode ermöglicht eine Operation durchzuführen, ohne dass
Umstechungen gemacht werden müssen. Das Gewebe wird
versiegelt, bevor es durchtrennt wird. Die Vorteile der Methode liegen unter anderem darin, dass kein Fadenmaterial in den Körper eingebracht werden muss.
Außerdem ist der Blutverlust bei dieser Technik sehr gering, was von Vorteil für die Regeneration der Patienten ist. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass es durch den schonenden Eingriff zu weniger Schmerzen nach der Operation kommt.

Dieses Verfahren wird bei allen Bauchspiegelungen und bei den meisten Gebärmutterentfernungen durchgeführt.

Zahlen und Trends

  • Gebärmutterentfernungen (Hysterektomien) gehören in Deutschland und international zu den häufigsten gynäkologischen Eingriffen.
  • Obwohl der Eingriff bei Krebserkrankungen notwendig ist,  wurde er weitaus häufiger als sogenannter Wahleingriff aufgrund von gutartigen Erkrankungen durchgeführt.
  • Bei etwa jeder sechsten Frau im Alter von 18 bis 79 Jahren wurde in Deutschland die Gebärmutter entfernt.
  • Im Jahr 2012 wurden in Deutschland rund 133.000 Gebärmutterentfernungen durchgeführt.
  • Bei fast der Hälfte der Frauen (48,5 %) fand die Gebärmutterentfernung im Alter von 40 bis 49 Jahren statt. Das Durchschnittsalter liegt bei 43 Jahren
  • Die häufigsten Gründe für eine Gebärmutterentfernung sind Myome und sehr starke Regelblutungen sowie eine Gebärmuttersenkung.
  • Bei etwa 20 – 30 % aller Frauen über 30 Jahre liegen Myome vor, allerdings verursachen sie nur bei rund der Hälfte der Frauen Beschwerden.
  • Bildung, Übergewicht und Anzahl der Geburten stehen im Zusammenhang mit der Häufigkeit der Gebärmutterentfernung.
  • Als Grundlage für eine einheitliche Indikationsstellung wird derzeit eine Leitlinie für medizinische Maßnahmen und Methoden in Bezug auf die Hysterektomie unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe erarbeitet. Diese soll Ende 2014 fertiggestellt sein.
  • Es sollte jeder betroffenen Frau möglich sein, nach individueller Beratung und Abwägung von Nutzen und Risiken, eine informierte Entscheidung über eine Gebärmutterentfernung zu treffen.

(Quelle: Robert Koch Institut, 1/2014 5. Jahrgang)

LASH

Die laparoskopische supracervikale Hysterektomie oder kurz LASH

Die LASH wird zunehmend eingesetzt. Sie hat einerseits den Vorteil, dass die Hysterektomie laparoskopisch, also über eine Bauchspiegelung gemacht wird und nicht über einen Bauchschnitt.

Ein weiterer Vorteil ist der Erhalt des Gebärmutterhalses und der bekleidenden Band-Strukturen. Das Risiko einer Beckenbodensenkung wird dadurch erheblich niedriger. Zudem ist der operative Aufwand und die Komplikationsrate geringer und die Erholung verläuft sehr viel schneller. Auch der stationäre Aufenthalt in der Klinik ist bei der LASH mit 2 – 3 Tagen kürzer.

Die LASH  wird bei Frauen eingesetzt, die unter Schmerzen und Blutungsstörungen leiden, v. a. wenn diese auf z. B. einen Uterus myomatosus zurückzuführen sind.
Eine Voraussetzung für die Methode ist das Fehlen bösartiger Veränderungen am Gebärmutterhals und am Gebärmutterkörper.